Meister Bafög

Meister Bafög

Neuregelungen zum Meister-BaföG ab 1. Juli in Kraft

Gesetzgeber macht Förderung beruflicher Weiterbildung attraktiver

Bislang wurden über das „Meister-BaföG“ die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren für „Meisterkurse“ oder Lehrgänge mit einem anerkannten Abschluss vorfinanziert und zusätzlich ein nicht rückzahlbarer staatlicher Zuschuss von 30,5 Prozent auf das erhaltene Darlehen gewährt.

Ab 1. Juli treten gesetzliche Neuregelungen in Kraft, um die Förderung der beruflichen Weiterbildung noch attraktiver zu machen. So werden auf das gewährte Darlehen bei Prüfungserfolg weitere 25 Prozent erlassen. Macht sich ein Jungmeister nach bestandener Meisterprüfung selbstständig werden ihm zusätzlich weitere 33 Prozent des Darlehens erlassen, wenn er mindestens einen Mitarbeiter neu einstellt.

Gleichzeitig fallen alte Zulassungshürden. So wird der Förderungsausschluss bei bereits selbstfinanzierter Aufstiegsfortbildung abgeschafft. Außerdem besteht ein Rechtsanspruch auf Förderung auch dann, wenn bereits vorher eine andere Aufstiegsfortbildung absolviert wurde, die nicht nach dem Meister-BaföG gefördert worden ist.

BAföG – die Chance weiter zu kommen

BAföG? Das ist doch nur was für Studenten! Wer so denkt, liegt falsch. Auch wer Meister werden will, hat Chancen auf finanzielle Unterstützung. Im Behördendeutsch liest sich das so: "Nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) werden fortbildungswillige Fachkräfte, die eine ihren Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen entsprechenden Fortbildungsabschluss nicht selbst finanzieren können, unterstützt".

Insbesondere für Handwerker, die sich nach ihrer Meisterprüfung selbständig machen, sind die Konditionen richtig gut. Aber auch alle anderen profitieren von den im Jahr 2002 verbesserten Bedingungen, auch wenn der Zuschussbetrag in 2005 und 2006 jeweils geringfügig gesenkt wurde. Wer sich erkundigen möchte, welche Kurse gefördert werden können, wendet sich am besten an die Ansprechpartner bei den Ämtern für Ausbildungsförderung seiner Kreis- oder Stadtverwaltung. Hier sind auch die Anträge auf Meister-BAföG abzugeben. Wer sich nicht sicher ist, ob der geplante Kurs den gesetzlichen Anforderungen entspricht, kann sich dies von der zuständigen Handwerkskammer bestätigen lassen.

Wer kann Meister-BAföG beantragen?

Die Aufstiegsförderung, also das Meister-BAföG, dient der beruflichen Fortbildung. Einen Antrag stellen können daher Handwerker, Techniker oder sonstige Fachkräfte, die einen Fortbildungsprüfungsabschluss, wie die Meisterprüfung oder z.B. den Betriebswirt des Handwerks erlangen möchten. Voraussetzung für den Antrag ist eine nach der Handwerksordnung oder dem Berufsbildungsgesetz anerkannte, abgeschlossene Berufsausbildung oder ein vergleichbarer Berufsabschluss. Bürger aus nicht zur EU gehörenden Staaten, die in Deutschland leben und arbeiten, können nach dreijähriger Erwerbstätigkeit ebenfalls die Aufstiegsförderung beantragen.

Ein Teil als Zuschuss, ein Teil als Darlehen

Nach dem AFBG sind die Kosten für die Maßnahmen zur Vorbereitung der Fortbildungsabschlüsse (Maßnahmebeitrag) förderfähig. Der Maßnahmebeitrag wird zum Teil als rückzahlungsfreier Zuschuss und zum Teil als Darlehen gewährt. Förderfähig in Form eines Darlehens sind weiterhin auch die Kosten für den Unterhalt (Unterhaltsbeitrag). Gefördert werden können somit also sowohl Vorbereitungskurse auf die Meisterprüfung als auch Fortbildungskurse für anerkannte Fortbildungsabschlüsse wie z.B. der Betriebswirt des Handwerks. Die Förderung erfolgt unabhängig davon, ob es sich um Voll- oder Teilzeitmaßnahmen handelt. Auch mediengestützte Fortbildungen sind nach dem neuen AFBG nun förderfähig.

BAföG gibt's für Vollzeitkurse,

  • die mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen,
  • die innerhalb von 36 Kalendermonaten abschließen
  • in denen in der Regel der Unterricht an mindestens vier Werktagen pro Woche mit einer Wochenstundenzahl von mindestens 25 Unterrichtsstunden stattfindet.

BAföG gibt's auch für Teilzeitkurse,

  • die mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen,
  • die innerhalb von 48 Kalendermonaten abschließen und wenn
  • in denen in der Regel innerhalb von 8 Monaten mindestens 150 Unterrichtsstunden abgehalten werden.

BAföG gibt's außerdem für:

  • Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis zu 10.226 Euro
  • Kosten für das Meisterstück bis zu 1.534 Euro
  • Für Alleinerziehende: Zuschuss zu den Kinderbetreuungskosten bis zu 113 Euro

Stellen ein Meisterschüler oder eine Meisterschülerin außerdem einen Antrag auf Unterhalt während der Meisterkurse, wird jeweils individuell geprüft, welchen Unterhaltsbeitrag er oder sie beanspruchen kann - entsprechend der BAföG-Bedarfssätze. Auskunft gibt hier die zuständige Antragsstelle, also das jeweilige Amt für Ausbildungsförderung bei der Kreisverwaltung oder der kreisfreien Stadt.

BAföG – individuell und maßgeschneidert

Die Höhe der möglichen Förderung nach dem AFBG richtet sich nach den persönlichen Voraussetzungen des jeweiligen Antragstellers und wird von der zuständigen Stelle für diesen individuell berechnet. Wer öffentliche Fördermittel nutzen will, muss sich entscheiden: Nur eine Fortbildung kann gefördert werden. Wer also für die Meisterprüfung das Meister-BAföG beantragt hat und danach einen anderen Lehrgang macht, zum Beispiel zum Betriebswirt des Handwerks, erhält dafür keine finanzielle Unterstützung mehr. Außer die betroffene Person konnte aus einem wichtigen Grund – zum Beispiel gesundheitliche Einschränkungen – im ersten Beruf nicht mehr arbeiten.

Beispielrechnung für Meister-BAföG: Schreinergeselle Paul Holz

Schreinergeselle Paul Holz möchte sich berufsbegleitend bei der Handwerkskammer Trier zum Schreiner-Meister qualifizieren. Der Lehrgang in Teilzeitform dauert eineinhalb Jahre. Die Lehrgangsgebühren betragen inklusive Grundkurs und Prüfungsgebühren 5.620 Euro. Das Meisterstück, das Paul Holz anfertigt, kostet 3.000 EUR.
Zur Finanzierung der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren erhält Paul Holz einen einkommens- und vermögensunabhängigen Maßnahmebeitrag in Höhe der tatsächlich anfallenden Gebühren. Die Förderung besteht aus einem Zuschussanteil in Höhe von 30,5 Prozent (= 1.714,10 Euro) und einem Anspruch auf ein zinsgünstiges Bankdarlehen in Höhe von 69,5 Prozent (= 3.905,90 Euro). Das Darlehen ist während der eineinhalbjährigen Fortbildung und während zweier anschließender Jahre, also hier dreieinhalb Jahre zins- und tilgungsfrei.
Bis zur Hälfte der notwendigen Kosten für sein Meisterstück in Höhe von 3.000 Euro kann er ebenfalls bei der Deutschen Ausgleichbank ein Darlehen über 1.500 Euro beantragen (max. mögliche Förderung 1.534 Euro).
Unter bestimmten Voraussetzungen – Existenzgründung und Einstellung von Mitarbeitern in vorgegebenen Fristen – werden 66 % des Darlehens für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren erlassen.
Für Paul Holz würde sich somit eine Restschuld des Förderdarlehens von 3.905,90 Euro auf nur noch 1.299,34 Euro reduzieren. Hinzu käme die Rückzahlung des Darlehens für das Meisterstück nach Ablauf der zins- und tilgungsfreien Zeit.
Die Rechnung für Paul Holz sähe demnach so aus: Zu den Gesamtkosten von 8.620 Euro erhält er einen Zuschuss bzw. Darlehenserlass in Höhe von 4.948,40 Euro. Das zu tilgende zinsgünstige Bankdarlehen liegt bei insgesamt 2.171,60 Euro. Direkt aus Eigenmitteln zu finanzieren sind nur die 1.500 Euro für das Meisterstück.

Meister-BAföG zurückzahlen

Wurde die Aufstiegsförderung von der zuständigen Stelle bewilligt, schließt der Antragsteller mit der Deutschen Ausgleichsbank, die für die BAföG-Stellen die Auszahlung und Abwicklung der Gelder übernimmt, einen privatrechtlichen Darlehensvertrag.
30,5 Prozent des gesamt bewilligten Maßnahmebeitrages werden als rückzahlungsfreier Zuschuss gewährt. Die restliche Fördersumme wird als Darlehen gewährt. Dieses Darlehen ist für maximal sechs Jahre ab Maßnahmebeginn zins- und tilgungsfrei. Die Höhe der Rückzahlungsraten ist abhängig vom Einkommen des Antragstellers. Liegen besondere Umstände vor, kann eine zeitweilige Aussetzung der Rückzahlungsverpflichtung beantragt werden. Für Alleinerziehende kann das Darlehen in Härtefällen gestundet oder sogar erlassen werden.

Bessere Chancen für Existenzgründer

Mit der Reform hat der Gesetzgeber die Modalitäten der Darlehensrückzahlung verbessert und vor allem für Existenzgründer Erleichterungen geschaffen. Gründet oder übernimmt der/die Darlehensnehmer/in innerhalb von drei Jahren nach Beendigung der Maßnahme ein Unternehmen oder eine freiberufliche Existenz, werden ihm/ihr auf Antrag 66 Prozent des auf die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren entfallenden Restdarlehens erlassen, wenn der/die Darlehensnehmer/in

  • die Abschlussprüfung bestanden hat,
  • dieses Unternehmen oder diese berufliche Existenz mindestens 1 Jahr führt und
  • spätestens am Ende des dritten Jahres nach der Existenzgründung mindestens zwei Personen zum Zeitpunkt der Antragstellung für die Dauer von mindestens vier Monaten
  • sozialversicherungspflichtig beschäftigt hat, von denen zumindest eine Person nicht nur
  • geringfügig beschäftigt ist.

Wo gebe ich den Antrag ab?

Der Antrag auf Förderung ist schriftlich an das für den Wohnort zuständige - in der Regel kommunale - Amt für Ausbildungsförderung zu richten. Über Art und Höhe des Förderanspruchs entscheiden die von den Ländern bestimmten Behörden. Von dort werden auch die rückzahlungsfreien Zuschüsse ausgezahlt. Die Darlehen werden nach Bewilligung über die Deutsche Ausgleichsbank abgewickelt. In Rheinland-Pfalz sind die kommunalen Ämter für Ausbildungsförderung bei den Kreisen und kreisfreien Städten zuständig.

Wo's noch Starthilfe für künftige Meister gibt:
Arbeitsagentur

In Ausnahmefällen (z.B. Rehabilitationsmaßnahmen) kann die Kursgebühr teilweise von der Arbeitsagentur erstattet werden. Fragen Sie auf jeden Fall nach bei Ihrer zuständigen Arbeitsagentur.

Bundeswehr/Förderung für Soldaten auf Zeit

Die Berufsförderungsdienste der Bundeswehr informieren die Soldaten hierüber. Bei der Handwerkskammer Koblenz gibt auch das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft gerne Auskunft.

Finanzamt

Die Lehrgangsgebühren, Prüfungskosten, Lehrmittel und Fahrtkosten sind beim Lohnsteuerjahresausgleich oder bei der Einkommenssteuererklärung steuerlich abzugsfähig, soweit sie nicht durch Zuschüsse (z.B. von der Arbeitsagentur) gedeckt sind.