Meisterportraits
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen regelmäßig rheinland-pfälzische Meister vor.

Alexander Fenzke "Selbstständigkeit nur mit eigenem Profil und Anspruch."
Alexander Fenzke startet als Restaurator im Maurerhandwerk durch
"Vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister bin ich schrittweise in Führungsaufgaben hineingewachsen. Ich hatte immer den Ehrgeiz, mehr zu wissen und zu können", blickt Alexander Fenzke auf seinen Werdegang zurück. "Dabei war die Selbstständigkeit zunächst keine Perspektive. Möglich ist sie für mich nur mit einem ganz eigenen Profil und Anspruch."
Vor einem Jahr ist der Meister und Restaurator im Maurerhandwerk aus Hof den Schritt zur Existenzgründung gegangen. "Der Start ist geglückt, der Auftragsbestand liegt über meinen Erwartungen." Bereits die Lehre bei Erich Weinbrenner in Langenbach machte ihn neugierig auf sein heutiges Betätigungsfeld. "Mein Meister war damals Wilfried Dylus – heute Ausbilder in der Pädagogischen Anlaufstelle der HwK -, der mich in die Geheimnisse alter Maurerkunst eingeführt hat."
Erfahrungen aus Übersee
Seine Meisterprüfung legte Alexander Fenzke 1997 ab, arbeitete dann mehrere Jahre als Meister für die Bauunternehmen FR-Bau in Oberroßbach und Schwickert-Bau in Ötzingen. 1998 gehörte er zur ersten Gruppe von Lehrlingen und Führungskräften, die im Zuge des HwK-Austauschprogrammes nach Austin reisten und von dort als Ehrenbürger der texanischen Stadt heimkehrten. Ein Jahr später lernte er auf diesem Weg auch das Leben und Arbeiten in Cork/Irland kennen.
Nach den internationalen Erfahrungen wurde er schließlich durch Handwerk Special auf das HwK-Zentrum für Restaurierung und Denkmalpflege in Herrstein aufmerksam und nahm von dort den Anstoß mit, sich zum geprüften Restaurator in seinem Handwerk fortzubilden. Bis heute pflegt er einen regen Kontakt und engagiert sich im Arbeitskreis Denkmalpflege. Sein großer Traum ist ein Studium im Europäischen Zentrum für Denkmalpflege in Venedig. "Ich habe bisher sehr viel Zeit in meine Qualifizierung gesteckt, jetzt muss ich erst einmal Geld verdienen."
Bauen mit heimischen Rohstoffen
Der Anfang ist gemacht – gut vorbereitet auch in Zusammenarbeit mit der HwK-Betriebsberatung -, und der Jungunternehmer kann auf erste repräsentative Referenzobjekte wie die alte Fachwerkschule von Waigandshain verweisen. Aber "auch das Geringe bedarf der Beachtung", freut sich Alexander Fenzke über die vielen Kleinode, an denen er im Westerwald bereits arbeiten durfte.
Dabei setzt er bewusst auf heimische Rohstoffe, arbeitet im Lehmbau oder bei der Wiederherstellung von historischen Putzen nach eigenen Rezepturen, die er individuell zusammenstellt und vor der Anwendung prüft. "Damit erfülle ich nicht nur die Vorgaben der Denkmalpflege, sondern liege preislich auch günstiger als bei den industriell hergestellten Fertigprodukten." Und "ganz nebenbei" saniert und restauriert er seinen Altbau im Zinhainer Weg in Bad Marienberg als Lager und Betriebsstätte - und natürlich als Visitenkarte.
In der Abtei Marienstatt bei Hachenburg restauriert Alexander Fenzke derzeit die Lehm- und Kalkputze im Dachgeschoss des "Pfarrflügels".

Detlef Rien Bauen mit Holz – biologisch und ökologisch
"Zimmerei Vielfach" von Detlef Rien engagiert sich im Baubiologischen Arbeitskreis
"Hinter dem Handwerk stehen Menschen, die eine Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen tragen, gegenüber der Umwelt und den Ressourcen, letztlich gegenüber der Zukunft." Zimmerermeister Detlef Rien stellt einen hohen Anspruch an sich und seinen Betrieb, die "Zimmerei Vielfach" in Oberneisen. Der Betriebsname stellt nicht nur den Bezug zum traditionellen Fachwerkbau her, er steht auch für Fachkompetenz und Vielseitigkeit des Handwerksmeisters und seines Teams. "Wir verkaufen nicht nur ein Produkt, sondern auch eine Dienstleistung. Die Beratung über Möglichkeiten zum gesunden Bauen und Wohnen gehört wesentlich dazu", umschreibt der 33-jährige Unternehmer seine Philosophie.
Ungewöhnlicher Werdegang
Auch wenn Detlef Rien mit seiner Zimmerei erst seit gut zwei Jahren am Markt ist, blickt er bereits auf reiche Berufserfahrung zurück. Sein Werdegang passt dabei in kein Schema. Bereits während seiner Schulzeit - zu Hause ist der Abiturient im Raum Hildesheim – setzt er sich mit Umweltfragen auseinander. Auf der Suche nach einem "Beruf mit ökologischer Grundausrichtung" findet er im Schwäbischen eine Praktikumsstelle in einer Zimmerei. Schließlich landet er in Westfalen bei einem Zusammenschluss von mehreren selbstständigen Zimmerern, die gemeinsame Projekte umsetzen.
Ohne in einem "ordentlichen Lehrverhältnis" zu stehen, erlernt er hier die praktische Seite des Zimmererhandwerks von der Pike auf, sammelt Erfahrungen in der Fachwerkrestaurierung und im Holzrahmenbau. Die Fachtheorie eignet er sich im Selbststudium an. Mit dem "glaubhaften Nachweis" seiner Kenntnisse und Fertigkeiten legt er die Gesellenprüfung erfolgreich ab und macht sich 1995 als "fahrender Zimmermann" im Reisegewerbe selbstständig.
Meister als Ziel
Dabei hat er von vorneherein die Meisterprüfung im Blick, die er ähnlich anpackt: Über anspruchsvolle Objekte erhält er Referenzen von Architekten und Bauherren. Parallel arbeitet er Fachliteratur durch. So erwirbt er das fachliche Know-how auf dem Weg zum Meister. "Der Liebe wegen" im Aartal sesshaft geworden, legt er nach der Teilnahme an einem "Auffrischungskurs für Prüfungswiederholer" bei der HwK Koblenz erfolgreich die Fachteile I und II der Meisterprüfung ab. Lediglich die betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und pädagogischen Teile III und IV schließt er in einem regulären Meisterkurs ab.
"Ich hatte immer das Glück, mit Betrieben zusammenzuarbeiten, die Nachhaltigkeit und werterhaltendes Bauen umsetzen", zieht Zimmerermeister Detlef Rien Bilanz. "Diesen Ansatz verfolge ich auch in meinem Unternehmen und pflege den Kontakt zu Partnern, die ähnliche Ziele verfolgen." Ein Forum dafür ist der Baubiologische Arbeitskreis Westerwald-Lahn.
Steckbrief: Zimmerei Vielfach, Oberneisen
Fachwerk- u. Holzrahmenbau energetische u. baubiologische Altbausanierung
Telefon: 06430/927487
Internet: www.zimmerei-vielfach.de

Thomas Spohr: "Mein Meisterstück liegt im Tresor"
24-Jähriger aus Großmaischeid ist jüngster Büchsenmachermeister in Rheinland-Pfalz
"Mein Meisterstück liegt im Tresor meines Vaters. Es ist eine Bockbüchsflinte", so Büchsenmachermeister Thomas Spohr aus Großmaischeid. Mit gerade 24 Jahren ist er der jüngste Büchsenmachermeister in Rheinland-Pfalz. Mitte März wird er seine eigene Werkstatt mit Ladengeschäft eröffnen. "Eine Bockbüchsflinte hat oben einen Schrotlauf und darunter einen Kugellauf. Man hat also zwei Waffen in einer und ist bestens gerüstet für die Jagd", erklärt Spohr sein Meisterstück und ergänzt, dass beispielsweise zur Niederwildjagd (Hase, Fuchs, Fasan) die Schrotflinte und zur Hochwildjagd (Wildschwein, Hirsch, Reh) die Repetierbüchse oder die kombinierte Waffe mit Kugel- und Schrotlauf zum Einsatz kommt. 120 Stunden standen ihm zum Bau der "Meisterwaffe" zur Verfügung. "Für eine gute, von Hand gebaute Waffe, können es auch bis zu 700 Arbeitsstunden werden", betont er. Gute Ware hat ihren Preis: Eine solche Flinte kann bis zu 12.000 Euro kosten. "Viel Geld", räumt Spohr ein, "aber geht ein Schuss bei der Jagd daneben, darf es nicht an der Waffe liegen. Die Schusswaffen werden mit großer Sorgfalt zusammengebaut. Qualität und eigene Sicherheit stehen obenan. Außerdem halten handgefertigte Waffen nahezu ewig", weiß er. "Es ist ein spannendes Handwerk. Wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Materialien wie Horn, Holz und Metall, die in ihrer Kombination funktionieren. Präzisionsarbeit ist verlangt, Fingerspitzengefühl, aber auch ein Gespür für die Form", beschreibt Thomas Spohr seinen Beruf. Und er erzählt, dass er sich damit seinen Traum erfüllt hat: "Auf jeden Fall wollte ich etwas mit der Jagd zu tun haben, das Jagdfieber brennt seit der Jugendzeit in mir. Mein Vater ist Sportschütze, hat mich oft in den Schützenverein mitgenommen und mir die Liebe zur Jagd sozusagen in die Wiege gelegt."
Als 15-Jähriger hat er zunächst ein Praktikum bei einem Büchsenmacher absolviert und nach der Mittleren Reife im österreichischen Ferlach fünf Jahre Waffentechnik in Kombination mit dem Abitur gebüffelt. "Eine Ausbildung, die der Büchsenmacherlehre gleichgestellt ist", erklärt er.
Zurück in Deutschland, besuchte er in Ehlingen bei Ulm die Meisterschule. "Neben den praktischen Fertigkeiten, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, habe ich mir in dieser Zeit auch großes theoretisches Wissen in meinem Handwerk angeeignet. Allein die verschiedenen Munitionskaliber füllen ganze Bücher. Darüber hinaus gelten für den Gebrauch von Waffen hohe Sicherheitsbestimmungen", berichtet er. Den Jagdschein hat er auch längst gemacht. "Man kann über nichts reden, was man nicht kennt", sagt Spohr. Schließlich gehören Jäger und Sportschützen zu seinen Kunden.
Spohr ist sich sicher, dass das Herstellen einer Waffe eher zu seinen seltenen Aufgaben gehören wird. Reparaturen an Langwaffen jeder Art werden jedoch immer gefragt sein. Sowohl beim Montieren eines Zielfernrohres als auch beim Ersetzen von gebrochenen Federn oder Reparaturen am Schaft der Waffe ist der Büchsenmacher ein gefragter Fachmann. "Wir leben vom Hobby unserer Kunden", schätzt der junge Büchsenmachermeister ein. Er blickt optimistisch in die Zukunft. "Man muss flexibel sein, dann kann man in unserem Beruf auch einen Volltreffer landen."
Steckbrief: Thomas Spohr, Großmaischeid
Meisterbetrieb im Büchsenmacherhandwerk Herstellung, Reparatur und Verkauf von Waffen und Zubehör für Jäger und Sportschützen
Telefon: 02689/958582

Norbert Graf "Es braucht den nötigen Biss"
Tischlermeister Norbert Graf über den Start in die Selbstständigkeit
"Biss, ein gesundes Selbstvertrauen und die Bereitschaft anzupacken, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Kaufmännisches und rechtliches Wissen und eine gute Portion Menschenkenntnis sind neben dem Fachwissen Voraussetzung für den Start", schätzt Tischlermeister Norbert Graf aus Plaidt ein. Seit Oktober 2003 ist er selbstständig.
Als Werkstatt nutzt Graf derzeit die Garage seines Einfamilienhauses. An Maschinen verfügt er über die Grundausstattung einer Tischlerei. In Kooperation mit Partnerfirmen nutzt er Spezialmaschinen zur Holzbearbeitung. "Ein Erfolgsrezept für den Neubeginn gibt es nicht. Aus der ersten Erfahrung weiß ich aber, dass man klein anfangen und den Kundenstamm erst aufbauen muss", sagt er. So behandelt Graf auch den kleinsten Reparaturservice, beispielsweise an Fenstern und Rollläden, wie einen Großauftrag.
"Ich fahre auch abends und samstags ohne Aufpreis zu den Kunden", betont er. "Oft entwickelt sich aus einer Reparatur ein größerer Auftrag." Graf möchte sich im Innenausbau spezialisieren. Erfahrungen eignete sich der 36-Jährige in leitenden Tätigkeiten in verschiedenen Tischlereien und in weiterführenden Lehrgängen an.
Norbert Graf berichtet, dass die Tischlerlehre nach dem Abitur eine "glückliche Alternative zum Studium der Forstwirtschaft" gewesen ist. Er beendet die Lehre am damaligen Wohnort Trier mit sehr guten Noten und wird in den "Stipendiatenkreis der HwK" übernommen. So erhält er drei Jahre Förderung und nutzt die Gesellenzeit zur fachlichen Weiterbildung.
Nach Abschluss der Meisterschule zieht es ihn der Liebe wegen an den Rhein. Er findet eine Meisterstelle in Koblenz und arbeitet dort bis zur Insolvenz bedingten Auflösung des Betriebes. Arbeitslos und auf der Suche nach einer neuen Stelle erfuhr er vom Existenzgründungsbüro, das die HwK Koblenz gemeinsam mit der IHK und der Agentur für Arbeit Mayen trägt. "In einem vierwöchigen Seminar habe ich den Feinschliff für die Selbstständigkeit erhalten. Das war sehr wichtig, denn zwischen einem angestellten Tischlermeister und einem selbstständigen ist ein großer Unterschied."
Ausschlaggebend war aber das "intensive Beratungsgespräch mit der Betriebsberaterin der HwK Koblenz, die mich auf die wichtigsten Aspekte bei der Unternehmensgründung hingewiesen und diese speziell für meinen Fall aufgearbeitet hat. Die Betreuung durch die Berater geht auch über die Existenzgründungsphase hinaus", berichtet er.
Steckbrief: Schreinerei Norbert Graf, Plaidt
Meisterbetrieb Möbel nach Maß, Küchen, Innenausbau, gegründet 2003
Telefon & Fax: 02632/300072

Michael Schlag
Der erste Stress ist vorbei: Michael Schlag (21) freut sich über den Meisterbrief
Mit 21 Jahren beenden viele junge Leute gerade einmal die Berufsschule. Michael Schlag aus Mehring, der heute (16.12.2003) seinen 21. Geburtstag feiert, ist schon einen Schritt weiter: Am Samstag hat er seine letzte Prüfung bestanden und ist der jüngste Estrichleger-Meister in Rheinland-Pfalz. Über seine Freundin möchte er nicht so gerne reden, sagt Michael Schlag und lächelt etwas verlegen. Wenn er so dasitzt, mit seiner modischen Kurzhaarfrisur und einer Cola-Dose in der Hand, möchte man ihm eigentlich eher zur bestandenen Gesellenprüfung gratulieren als zum Meisterbrief. Doch wenn der 21-Jährige routiniert über Terrazzo-Böden, Energiespar-Verordnungen oder DIN-Normen referiert, wird schnell klar, warum die Handwerkskammer Trier in seinem Fall eine Ausnahme machte und ihn ohne die sonst übliche fünfjährige Berufserfahrung zum Meisterkurs zuließ.
Gerade einmal zwei Jahre ist es her, seit Schlag seine Lehre als Estrichleger abgeschlossen hat. Seitdem arbeitet er im väterlichen Betrieb mit. Er habe schon immer vorgehabt, auch die Meisterprüfung abzulegen, erzählt er. Dass er dann bei der Handwerkskammer um eine Ausnahmegenehmigung nachsuchte, hat allerdings einen traurigen Hintergrund: Vater Günter Schlag erlitt im Jahr 2002 einen Arbeitsunfall, der ihn zur Aufgabe seines Berufes zwang. Plötzlich fehlte dem Mehringer Familienbetrieb der Meister – nicht zuletzt für die Ausbildung der Lehrlinge. Also machte sich Sohn Michael auf, um in Kassel die Meisterschule zu besuchen – zweimal sechs Wochen Blockunterricht im Sommer und im Herbst. Von zu Hause fort zu sein, habe er schon von der Lehre her gekannt, sagt Schlag. Die Freiheit in der Ferne habe er allerdings kaum genießen können: "Ich war froh, wenn ich nach zwölf Stunden Unterricht abends im Bett war." Eine Woche Urlaub hat sich der Jung-Meister in diesem Jahr gegönnt, ansonsten drehte sich sein Leben vor allem um Meisterschule, Lehrbücher und Prüfungen. "Ich bin schon froh, dass der Stress jetzt vorbei ist", sagt Schlag.
Vielleicht kann er jetzt auch wieder öfter ins Fußball-Training zum TuS Longuich gehen, bei dem er im Mittelfeld kickt. Doch Schlag weiß, dass es für ihn auch ohne Prüfungen kaum beschaulich werden wird in den nächsten Monaten. "Die eigentliche Ausbildung kommt jetzt erst." Denn was er im vergangenen Jahr über Buchhaltung und Menschenführung gelernt hat, gilt es nun in der Praxis anzuwenden. Angst, gegenüber den 30 meist älteren und erfahreneren Mitarbeitern den Ton anzugeben, hat der Juniorchef aber nicht: "Die meisten kenne ich schon seit mehr als zehn Jahren, außerdem haben wir ein sehr familiäres Klima im Betrieb." Vor mehr als zehn Jahren entdeckte Michael sein Interesse für das väterliche Handwerk: Schon als kleines Kind habe er mit Wonne – und nicht immer zur Freude der Eltern – im Zement gerührt, erzählt Vater Günter. Der 49-Jährige ist froh, dass sein Sohn den von ihn gegründeten Betrieb übernehmen will: "Das ist heute im Handwerk nicht mehr selbstverständlich." Doch Sohn Michael fiel die Entscheidung nicht schwer: "Ich muss abends sehen, was ich den Tag über geschafft habe", sagt er. Das dürfte nun allerdings etwas schwieriger werden, denn nach den Betriebsferien über die Weihnachtstage wartet auf den frisch gebackenen Meister vor allem Büroarbeit. Dennoch denkt er schon jetzt an den nächsten Schritt: die Zulassung als Gutachter. Bevor er auch bei dieser Prüfung einen neuen Altersrekord aufstellen kann, muss er allerdings noch etwas warten. Denn Bedingung für eine Zulassung als Gutachter sind mindestens fünf Jahre Berufserfahrung als Meister.
Mit freundlicher Genehmigung des Trierischen Volksfreundes/Text und Foto: Peter Hacker

Sonja Spano: "Meisterbrief ist das Tüpfelchen auf dem i"
Für Sonja Spano, Raumausstattermeisterin in Spe aus Kastellaun ist der Meisterbrief die beste Qualifikation. "Es gibt viele Kunden, die mich nach meiner Ausbildung fragen. Ich weiß, dass der Meisterbrief das Tüpfelchen auf dem I ist. Es ist einfach für viele Menschen ein Unterschied, ob ein Rat vom Gesellen oder vom Meister kommt", erzählt die 23-jährige Italienerin, die in Koblenz geboren ist.
Über ein Praktikum entdeckte sie ihre Liebe zum Raumausstatterhandwerk. "Hier kann ich kreative Ideen mit handwerklicher Geschicklichkeit verbinden. Mit Farben und Formen Räume zu stylen, ist eine Herausforderung", begründet sie ihren Berufswunsch. Nach der Lehre fand die junge Raumausstatterin in der Kastellauner Firma "berg im bahnhof" ein eigenverantwortliches Betätigungsfeld. "Wir haben schon lange geplant, unser Dienstleistungsangebot um Gardinen, Bodenbeläge und Accessoires zu erweitern", erzählt Gabi Berg, die zusammen mit ihrem Mann, Maler- und Lackierermeister Michael Berg, die Firma leitet. "Als wir 1990 das ehemalige Bahnhofsgebäude von Kastellaun gekauft und renoviert haben, bot sich die Eröffnung eines Ladengeschäfts an." 11 Mitarbeiter, darunter zwei Lehrlinge, bilden das Team. "Wir begrüßen es sehr, dass Sonja die Meisterprüfung in ihrem Handwerk macht und möchten, dass sie anschließend bei uns bleibt", lobt Gabi Berg ihre Angestellte. "Ich möchte dann auch meine während der Meisterprüfung erworbenen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse stärker in die Firma einfließen lassen", freut sich Sonja über das Lob.

Mike Rockenfeller fährt "Morgen Meister!"
Rasante Unterstützung für die Kampagne Morgen Meister!: Mike Rockenfeller, Kfz-Geselle und Rennfahrer, wird künftig das Logo und die Idee, die dahinter steht, im Porsche Carrera-Cup über europäische Rennstrecken fahren. Auf der Rennkleidung und dem Helm des 19-Jährigen aus Neuwied steht schon Mitte September beim Rennen im italienischen Monza der Schriftzug "Morgen Meister!". Rockenfeller unterstützt die Ziele der Kampagne, die von den vier Handwerkskammern, dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau und der Investitions- und Strukturband in Rheinland-Pfalz getragen wird. Seine Erfahrung: "Meister im Rennsport zu werden ist ein Ziel, auf das wir jahrelang hinarbeiten, das für erstklassige Leistungen steht. Eine Gemeinsamkeit mit der Qualifikation zum Handwerksmeister, die einen hohen Stellenwert beim Kunden genießt".
"Morgen Meister! Handwerksmeister schalten schneller" – ein Motto, das aus mehreren Gründen zu Mike Rockenfeller passt. In der Gesamtwertung des schnellsten Markenpokals der Welt liegt der 19-jährige Kfz-Handwerker, der im elterlichen Betrieb in Neuwied-Niederbieber ausgebildet wurde, seit dem Rennsieg auf dem österreichischen A1-Ring am 7. September 2003 auf dem 1. Platz – und damit auf Meisterkurs! Und auch der Meisterbrief in seinem Handwerk ist ein Ziel in der noch jungen Karriere, das er angeht, "wenn es die Zeit erlaubt". Greift Mike Rockenfeller nicht in das Steuer seines 390-PS-Porsche, arbeitet er als ganz normaler Mitarbeiter im Familienbetrieb an ganz normalen Autos und repariert ganz normale Fehler. Und das perfekt: Als Bester seiner Innung wurde er für den Praktischen Leistungswettbewerb nominiert, konnte am Wettbewerb auf Kammerebene wegen eines Rennens aber nicht teilnehmen. "Schade, denn meine Arbeit, mein Handwerk sind mir wichtig." Und von Vorteil auf der Rennstrecke: "Man versteht sein Auto besser, weiß, was technisch vor sich geht." Und spricht eine Sprache mit der Mechaniker-Crew in der Box, "was auch gut für den Team-Geist ist". Die politische Diskussion um die Abschaffung des Meisterbriefes versteht Rockenfeller nicht: "Aus meiner Praxis im Unternehmen weiß ich, was dahinter steht und sehe in der Aufweichung keine Vorteile für irgendjemanden."

Thorsten Rotthus: "Arbeit geben macht Spaß!"
Die Meistervorbereitung als solide Basis: Thorsten Rotthus ist mit 32 Jahren sein eigener Chef – und damit höchst zufrieden.
Rothselberg – Thorsten Rotthus würde alles wieder so machen. Auch wenn der Meisterkurs für den jungen Handwerker aus dem pfälzischen Rothselberg "alles andere als ein kleiner Abendkurs zum Auffrischen" war. Und die ersten ein, zwei Jahre als selbständiger Stuckateurmeister mit eigenem Unternehmen kein Zuckerschlecken. Schlaflose Nächte inklusive, in denen ihm Buchungsposten und Kalkulationen durch den Kopf wirbelten. Sein Motor? Freude an der sozialen Verantwortung. Für die Mitarbeiter. "Arbeit geben macht Spaß." Freude daran, sein eigener Chef zu sein und am Umgang mit den Kunden. Einen Lehrling würde er im Herbst gern einstellen. Noch hat er keinen gefunden. Und dem Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer Kaiserslautern, so hofft der junge Pfälzer, wird er bis dahin auch angehören. "Ich will, dass es in dem Beruf weitergeht. Deshalb engagiere ich mich."
Nach schwierigem Start den Berg geschafft
Wünsche hat er viele. Mehr Vertrauen der Banken zum Beispiel. Ohne Immobilien und ausreichend Eigenkapital war’s 1999 schwierig, Startkredite für die Existenzgründung zu erhalten. Er musste Maschinen und Fahrzeuge anschaffen und Mitarbeiter bezahlen. Das Gehalt seiner Frau half über die erste Zeit hinweg. Heute hat er den Berg geschafft: Er hat sieben Mitarbeiter. Alle Vollzeit. Für 2003 kann er keine Aufträge mehr annehmen. Ausgebucht. Wenn sich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement mit seinem Vorschlag durchsetzt, den Meisterbrief bei den nicht "gefahrgeneigten" Handwerksberufen als Voraussetzung für die Führung eines Betriebes abzuschaffen, wäre davon auch das Stuckateurhandwerk betroffen. Bitter für diejenigen, die’s grade geschafft und den Meisterbrief in der Tasche haben? All die Büffelei für den Meisterabschluss und dann noch die hohen Kursgebühren – für die Katz‘ ? "Ich bereu‘ das überhaupt nicht!" Dem Jungunternehmer hat die Meistervorbereitung "eine solide Basis verschafft". Wissen und Erfahrung, die er nicht missen möchte und die ihm bei der Führung seines Betriebes helfen. Die "Welle" an Billiganbietern macht ihm dennoch Sorgen, die auf die Verbraucher zukomme, wenn Stuckateure ohne Meisterbrief Betriebe gründen könnten. Er fürchtet reihenweise Kleinstbetriebe in der Branche; und dass gute Mitarbeiter als Gesellen "abwandern", weil auch sie die Selbständigkeit lockt. Stabile Existenzen wird das nicht geben. Da ist sich Rotthus sicher. Und zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze schon gar nicht.
Ausbilden dürfen braucht Qualifikation
"Die Prüfungsteile III und IV, die wird keiner nebenher machen," ist sich Rotthus sicher. Einen Betrieb führen, ohne über Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Arbeitsrecht und die notwendige Führungsqualifikation zu verfügen – für Rotthus unvorstellbar. Ganz zu schweigen vom Umgang mit Lehrlingen: "Dass diese Leute dann ausbilden dürfen, ist für mich völlig unverständlich". Rotthus ist bei einem Stuckateur-Praktikum in der achten Hauptschulklasse auf den Geschmack gekommen. Nach der Schule fing er in diesem Betrieb eine Lehre an. Nach der Gesellenprüfung holte er Mittlere Reife und Fachabitur nach und begann in Kaiserslautern Architektur zu studieren. Genau drei Semester lang: "Es war ein guter Einblick. Aber mir war das viel zu theoretisch."
Durchstarten statt Handtuch werfen
1999, mit 28 Jahren, gründete er mit zwei Partnern einen eigenen Betrieb. Weil keiner der drei einen Meisterbrief vorweisen konnte, beantragte Rotthus bei der Kreisverwaltung eine Ausnahmegenehmigung für die stolze Gebühr von 3500 Mark – und verpflichtete sich als einziger, den Meisterabschluss zu machen. Seine Geschäftspartner haben schon bald das Handtuch geworfen. Rotthus machte weiter und wurde 2002 Meister seines Faches. Als der einzige Stuckateur unter den zehn besten Handwerksmeistern seines Jahrganges im Handwerkskammerbezirk Trier. Da hatte sein Betrieb zeitweise schon zwölf Mitarbeiter.

Falk Kappel: “Der Mann für den richtigen Biss“
Traben-Trarbach. Falk Kappel hat weder Angst vor dem Zahnarzt noch vor dem Bohrer. Der 30-Jährige schaute schon als Kind seinem Vater über die Schulter, der in einem Praxislabor als Zahntechniker arbeitete. Da lag es auf der Hand, dass er eines Tages in Papas Fußstapfen treten würde. Dreieinhalb Jahre dauerte Falk Kappels Ausbildung, die er in Wittlich absolvierte. Bei der Gesellenprüfung 1992 schnitt er als Kammer- und Landessieger ab, was ihm ein Stipendium in Höhe von 9000 Mark bescherte. "Das hat mir unheimlich viel gebracht”, erinnert sich der junge Mann mit den dunklen Locken. Das Geld investierte er in verschiedene Kurse. In fünf Labors in der Region war er tätig, im September 2001 legte er seine Meisterprüfung ab. Seit Januar 2003 hat Falk Kappel sein Labor in Traben-Trarbach. Vater Hartmut (54) und ein weiterer Zahntechniker arbeiten mit ihm zusammen. Sein Vater übt den Beruf mittlerweile seit 25 Jahren aus und hat immer noch Spaß an der Arbeit. Falk Kappel erzählt, dass weder Abitur noch Realschulabschluss erforderlich sind, um den Beruf des Zahntechnikers zu ergreifen. Auch Hauptschüler haben eine Chance, vorausgesetzt, sie bringen Lust am Beruf mit, geschickte Finger und viel Geduld. Die ist nämlich nötig, wenn es darum geht, Menschen zu Kronen, Brücken oder einem kompletten Gebiss zu verhelfen. "Wir arbeiten im Zehntel-Millimeter-Bereich”, sagt Falk Kappel. Nach einem vom Zahnarzt gemachten Abdruck fertigt Kappel ein Wachsmodell und der Patient kann seine neuen Beißer schon einmal anprobieren. Wenn nichts kneift und drückt, wird das Gebiss in Kunststoff gepresst. Rund 14 Tage dauert es, bis ein komplettes Gebiss fertig ist. In der Werkstatt des Zahntechnikermeisters entstehen aber auch Kronen aus Vollkeramik, Kronen die mit Kunststoff verblendet werden oder die eine Goldkappe im Inneren haben. Auch Implantate werden hier angefertigt.
Im nächsten Jahr will der junge Zahntechnikermeister auch einen Lehrling ausbilden. Noch möchte er sich etwas Zeit gönnen, um sich in die Büroarbeit und Computer-Software einzuarbeiten: "So ausführlich lernt man das nämlich nicht während der Ausbildung.” Falk Kappel ist bestrebt, immer am Ball zu bleiben. Ständig kommen neue Produkte auf den Markt, und er informiert sich durch Fachzeitungen und Fortbildungskurse, die er besucht.
Text und Foto: Gerda Knorrn-Belitz
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung "Trierischer Volksfreund"

Silvio Kalb Live bei der "Volle Kanne Morningshow"
Koblenz. Silvio Kalb blieb ganz locker. Als käme er selbst aus den Showbusiness stellte sich der 25-jährige Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister aus Orfgen den Fragen der beiden Kultmoderatoren von Hit-Radio RPR Eins, Lars-Christian Karde und "Wettergirl Horst". Der junge Handwerksmeister war Interviewgast bei der "Volle Kanne Morningshow on Tour" am Deutschen Eck in Koblenz bei "Rhein in Flammen".
Kalbs "Show" findet normalerweise in den Badezimmern seiner Kunden statt, wo er mit viel Liebe zum Detail und Kreativität seiner Arbeit nachgeht. Qualität und perfekte Umsetzung seiner Gestaltungsideen sind für den frischgebackenen Handwerksmeister oberstes Gebot. Und Service. Er geht den Weg zum Kunden, fährt auch fünf Mal zu ihm hin, bis alle Details für einen Auftrag klar sind und die Arbeit beginnen kann.
"Irgendwo hineinkommen ist einfach, im Geschäft zu bleiben dagegen schwer", ist sich der 25-jährige Jungunternehmer bewusst. "Wer sich nicht ständig weiterbildet, ist ganz schnell weg vom Fenster. Fortbildung gehört immer dazu!" Deshalb war für ihn auch klar, dass er die Meisterprüfung ablegen wollte – die er als Teilnehmer in einem Vollzeitkurs Ende Juni 2003 auch bestanden hat. Am Radiomikrofon bekennt er eindeutig: "Auch wenn die derzeit diskutierte Änderung der Handwerksordnung durchginge: Den Meister hätte ich trotzdem gemacht!"
Seit zweieinhalb Jahren ist Silvio Kalb selbstständig. Zunächst dachte er über das Angebot nach, den Betrieb seines früheren Arbeitgebers zu übernehmen. Die hohe Ablösesumme und die folgende wirtschaftliche Schieflage dieses Unternehmens führten ihn dann aber zur Neugründung des eigenen Betriebes – zunächst mit einer Ausnahmebewilligung und der Auflage, binnen drei Jahren die Meisterprüfung abzulegen. Heute beschäftigt er zwei Gesellen und einer davon ist sein Vater. Früher hatten sie im selben Unternehmen gearbeitet. Jetzt beschäftigt der Sohn den Vater: "Mehr als das Buchwissen zählt die praktische Erfahrung. Davon bringt mein Vater eine ganze Menge in unsere Arbeit mit ein." Generationenvertrag einmal anders. Gemeinsam bauten sich die Westerwälder inzwischen einen Kundenstamm auf und profitieren dabei von der positiven Mundpropaganda. Für den Sommer 2004 möchte Silvio Kalb dann auch eine Lehrstelle schaffen. Infos über seinen Betrieb finden Sie unter www.fliesenkalb.de

Wolfgang Riepert: "Multifunktionshandwerker" für Reisemobile
Mit 50 Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, erfordert viel Mut. Noch mehr aber die Qualifikation zum Unternehmer, der für sich und seine Ideen einen Markt ausgemacht hat. Wolfgang Riepert eröffnete gemeinsam mit seiner Frau Christa 1998 sein Service-Unternehmen für Reisemobile in Mülheim-Kärlich. Zuvor hatte er 21 Jahre als Produktions- und Kundendienstleiter bei Niesmann + Bischoff in Polch gearbeitet.
Wolfgang Riepert ist Handwerker durch und durch. Nachdem er zunächst seine Zimmererlehre erfolgreich abgeschlossen hatte, legte er auch noch die Gesellenprüfung als Schreiner ab. Seine zwölfjährige Bundeswehrzeit nutzte er zunächst für die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und Fahrlehrer, um anschließend über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr das Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk zu erlernen und schließlich die Meisterprüfung als Kfz-Techniker abzulegen.
Investition in Fachkräfte
"Der Karosserie- und Fahrzeugbauer ist ein Multifunktionshandwerker, der in vielen Bereichen fit sein muss", lautet sein Anspruch an sich und seine sieben festen Mitarbeiter, zu denen neben einem Karosseriebauermeister auch die Lehrlinge Lars und Andreas in der Werkstatt und Jennifer im Büro gehören. "Grundsätzlich bilden wir für den eigenen Bedarf aus. Wer gut ist und willig, bekommt bei uns eine Perspektive", betont Wolfgang Riepert. Immer wieder holt er die jungen Leute zusammen, sucht das Gespräch mit ihnen, lässt sich aber auch Arbeiten aus der Berufsschule vorlegen, "damit ich gegensteuern kann, bevor etwas aus dem Ruder läuft".
"Nur wer ausbildet, hat später ein Recht auf gute Mitarbeiter", lautet die Philosophie des Unternehmers mit vier Berufsabschlüssen. Dazu gehört für ihn aber auch, dass "die Ausbildung und Beschäftigung von Mitarbeitern in Meisterhand gehört, weil der Meister gelernt hat, unternehmerisch zu denken!" Was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders wichtig ist, um seiner Verantwortung für die Angestellten und ihre Familien gerecht zu werden.
Mit einem flexiblen Arbeitszeitensystem und betriebsinternen Absprachen kann das Riepert-Team die Spitzen in der Werkstattauslastung abdecken. Wartung und Inspektion, Reparatur und Generalüberholung, Fahrzeugabdichtung und Instandsetzung von Unfallschäden oder der individuelle Umbau der Inneneinrichtung – der angebotene Service umfasst alles. Vor allem über seinen Internetauftritt unter www.riepert.de steht er mit Kunden in ganz Deutschland in Verbindung.
Innovative Ideen
Die Erfahrungen, die Wolfgang Riepert in der Entwicklung der Modelle Clou oder Flair sammeln konnte, an der er bei seinem früheren Arbeitgeber maßgeblich beteiligt war, kommt ihm in der Selbstständigkeit nicht nur zugute, sondern er kann sie auch an die nächste Generation weitergeben.
Durch die Qualität seiner Arbeit empfahl sich das Mülheim-Kärlicher Unternehmen führenden Herstellern von Reisemobilen als autorisierte Vertragswerkstatt. Für den italienischen Hersteller Laika arbeitet Riepert Fahrzeugbau als Zulieferer und entwickelt derzeit beispielsweise den Umrüstsatz für eine Warmwasserheizung, die die "trockene" Warmluftheizung später in der Serie ersetzen soll. Flexibel, fachlich versiert und in der handwerklichen Umsetzung perfekt allen Kundenwünschen entsprechen, lautet die Devise der "Multifunktionshandwerker".
Mit Tochter Marion, die sich zusätzlich zu ihrem Abschluss als IT-Kauffrau über ein Fernstudium in Betriebswirtschaft fit macht, und Sohn Michael, der sich als Fluggerätemechaniker für acht Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet hat, wächst ein kompetentes Team für den Generationswechsel in ein paar Jahren heran.

Heike Hennige: "Von der Archäologie ins Tischler-Handwerk"
Heike Hennige hat seit August 2002 den Meisterbrief als Tischlermeisterin in der Tasche.
Einzige Frau im Tischler-Meisterkurs der Handwerkskammer Trier 2002 war Heike Hennige aus Trier – und das hat eine lange Vorgeschichte. Ihr Interesse für den Werkstoff Holz wurde bereits in früher Kindheit durch den Vater geweckt, der in seiner kleinen Werkstatt Schiffsmodelle anfertigte. Seit 19. August 2002 hat die junge Handwerkerin den Meisterbrief in der Tasche.
Eigentlich wollte Heike Hennige Archäologin werden. Während ihrer Schulzeit absolvierte sie ein Praktikum im Landesmuseum Trier. Dort begeisterte sie sich für Restaurierungstechniken und beschloss, nach dem Abitur eine Tischlerlehre zu absolvieren.
Ihr Wunsch war in dem noch stark von Männern geprägten Beruf nicht einfach umzusetzen. Schließlich fand sich die Lehrstelle doch noch bei der Firma Brand Ladenbau in Longuich. Mit ihren guten Leistungen schloss sie nach zweieinhalb Jahren nicht nur erfolgreich die Gesellenprüfung ab, sondern ebnete in dem Unternehmen auch den Weg für weitere weibliche Lehrlinge.
Nachdem sie noch einige Jahre im Ausbildungsbetrieb als Gesellin arbeitete, hatte sie ursprünglich vor – die Familiengründung stand an – sich nebenberuflich mit der Herstellung von Holzspielzeug selbstständig zu machen. Sie erkannte jedoch sehr schnell, dass ihr nur eine fundierte fachliche Qualifikation weiterhelfen und zusätzliche, neue Perspektiven eröffnen würde.
Die beiden allgemeinkundlichen Teile der Meisterprüfung hat Heike Hennige mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen. Im April letzten Jahres folgte mit der Geburt ihres Sohnes Andreas bereits ein erstes "Meisterstück". Im August schloss die Handwerkerin auch die fachbezogenen Teile der Meisterprüfung mit Erfolg ab und hat damit den Meisterbrief als Tischlermeisterin in der Tasche. Damit stehen ihr in Zukunft alle Türen in ihrem Beruf offen – vielleicht sogar wieder hin zu den ersten Anfängen im Bereich der Restaurierung.
Foto: HwK Trier

Roland Pütz: Vorbild durch Kompetenz
Als Handwerksmeister spielt Roland Pütz aus Saarburg-Beurig in der beruflichen "Champions League" - und das gleich doppelt. Nach der Kfz-Mechaniker-Meisterprüfung und einer Fortbildung zum Kfz-Servicetechniker legte er 2001 auch noch die Prüfung zum Kfz-Elektriker-Meister ab.
Diese Zielstrebigkeit kommt nicht von ungefähr. Schon als Kind hatte eine benachbarte Kfz-Werkstatt sein nachhaltiges Interesse geweckt. Nach Lehre und erfolgreicher Gesellenprüfung als Kfz-Elektriker wurde er beim praktischen Leistungswettbewerb der Handwerksjugend Kammersieger und zweiter Landessieger.
Das wiederum brachte ihm ein Stipendium der Begabtenförderung berufliche Bildung, das er konsequent für seine berufliche Weiterqualifizierung nutzte. Bei der Firma MAN in Trier-Ehrang ist der Junggeselle als Kfz-Elektriker-Meister für sechs Mitarbeiter und für die Ausbildung von sechs Kfz-Lehrlingen verantwortlich.
Er will vor allem durch Kompetenz und Vorbild führen und überzeugen. Dies schließt unter anderem auch ein, den Lehrlingen in der Mittagspause nochmals Arbeitstechniken und -vorgänge zu erklären und so Praxis-Erfahrungen und Teamgeist zu vermitteln.
Nichts ist für den beruflichen Erfolg so wichtig, dies hat Roland Pütz selbst erfahren und bewiesen, wie eine hohe fachliche Kompetenz, verbunden mit Engagement und Leistungsbereitschaft.
Dies möchte er als Führungskraft an Mitarbeiter und Lehrlinge weitergeben - innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens. So hat er inzwischen "die Seiten gewechselt" und ist selbst als Dozent bei der Handwerkskammer Trier in der Kfz-Weiterbildung tätig.

Stefan Meter: Vom Sattelschlepper zur Trockenhaube
Trier. Zehn Jahre lang fuhr Stefan Meter mit dem Sattelschlepper durch Europa. Dann ließ er sich zum Friseur umschulen – und legte in Rekordzeit die Meisterprüfung ab. Heute betreibt er einen Friseursalon in Trier-Süd. Seine Pläne für die Zukunft: sich als Berufsschullehrer und in der Handwerkskammer für den Nachwuchs einzusetzen. "Ich habe viele Menschen kennen gelernt und bin in ganz Europa herumgekommen – bis nach Portugal, Spanien und Nordafrika."
Nach zehn Jahren hinter dem Lenkrad musste sich der auf Gefahrengut und Schwertransporte spezialisierte Fahrer aus gesundheitlichen Gründen neu orientieren. Trotz einer früheren Lehre als Außenhandelskaufmann entschied sich Meter für den Friseur-Beruf. "Ich bin kein Büromensch", sagt er. Bei der zweijährigen Umschulung glänzte der heute 35-Jährige mit sehr guten Noten – und entschied sich, gleich im Anschluss die Meisterschule zu besuchen. "In der Berufsschule war ich der älteste, die anderen aus der Klasse hätten meine Kinder sein können", erinnert sich Meter. "In der Meisterschule aber war ich altersmäßig im Mittelfeld."
Nur dreieinhalb Jahre, nachdem der ehemalige LKW- Fahrer umsatteln musste, übernahm er mit einer Sondergenehmigung einen Friseursalon in Trier mit vier Mitarbeiterinnen und einer Auszubildenden – ein halbes Jahr, bevor er die Meisterprüfung ablegte. An die Verantwortung als Chef und damit auch die wirtschaftliche Existenz der Mitarbeiter habe er sich schnell gewöhnt. Sein Rezept zum Erfolg? "Man braucht ein gutes Team", meint er. "Friseur ist ein sehr kreativer Beruf. Die Kreativität lasse ich auch meinen Angestellten." Auch nach der Meisterprüfung ist Meter nicht der Meinung, ausgelernt zu haben. Er besucht Weiterbildungsseminare und Schulungen, etwa zu Schnitt- und Färbtechniken. In einigen Jahren will der engagierte Unternehmer wieder zur Schule gehen – als Lehrer. "Ich will für den Nachwuchs da sein", sagt er. "Als Fachlehrer an der Berufsschule oder im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer."
Text und Foto: Wolfgang Lenders, Trierischer Volksfreund

Diana Ritter: Frauenpower am Motor
Mühlheim. Mit 13 Jahren entschied sich Diana Ritter, KFZ- Mechanikerin zu werden. Inzwischen arbeitet die 26-Jährige in der Opel-Werkstatt ihrer Eltern, die sie später einmal übernehmen möchte. Und hat seit kurzem den Meisterbrief der Handwerkskammer Trier an der Wand.
Jungen spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen – dem Klischee, dass Technik Männersache ist, wollte Kfz-Mechanikerin Diana Ritter nicht entsprechen.
"Autos und Technik haben mir immer schon Spaß gemacht", sagt die 26-Jährige. "Ich bin in den Beruf hineingewachsen. Von Kind auf hab ich in unserem Betrieb alles mitgekriegt – vom Abschleppdienst bis zur Arbeit in der Werkstatt." Dass sie selbst Hand anlegen wollte, lag nahe. Ritter: "Mit 13 hab ich gesagt, das mach ich." Ihre Ausbildung absolvierte die KfZ-Mechanikerin in Trier. "Ich habe extra nicht im Betrieb meiner Eltern gelernt", sagt die frisch gebackene Meisterin. Dorthin zog es sie allerdings, als sie ihren Gesellenbrief und ein Zeugnis als Kfz-Betriebswirtin in der Tasche hatte. "Auf Rat meiner Eltern habe ich mich auch für die kaufmännische Ausbildung entschieden", erzählt Ritter. Trotzdem sieht sie ihre Zukunft nicht im Büro: "Zurzeit mache ich bei uns in der Firma eigentlich alles", berichtet sie. "Vom Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen bis zur Arbeit in der Werkstatt."
Parallel zu ihrer Arbeit besuchte Ritter Meisterkurse und schloss eine Ausbildung zur Opel- Servicetechnikerin ab, die als Teil der Meisterprüfung angerechnet wird. "Man lernt dabei, wie alles funktioniert – vom Motor über Elektrik bis hin zum Fensterheber", erzählt sie. Ritter: "In der Berufsschule war ich die einzige Frau in der Klasse, genauso auf der Meisterschule und bei den Lehrgängen. Aber, da hab ich mich nie dran gestört."
Text und Foto: Wolfgang Lenders, Trierischer Volksfreund
